Die Marineküstenbatterie "Longues-sur-Mer"

Aus einer spontanen Laune heraus entscheiden sich Micha und Philipp an einem schönen Sommertag die Küstenbatterie „Longues-sur-Mer“ in Frankreich zu besuchen. Ihre Reise begann bei Bonn und führte über die Niederlande, durch Belgien, bis an die Französische Atlantikküste der Normandie. Schon nach neun Stunden Fahrt, und gut 800 Kilometer weiter, erreichten sie den Ort „Longues-sur-Mer“. Die zum Teil 65 Meter hohen, steil abfallenden Klippen und das daraus resultierende Panorama auf den Ärmelkanal, entschädigten schließlich die Strapazen der langen Anreise. Aus dieser erhöhten Position ist es leicht nachvollziehbar warum die Deutschen im Zuge der Atlantikwall- Befestigungen hier eine Küstenbatterie errichteten. Im Bereich der ehemaligen Landungs-Strände des D-Day´s verläuft heute ein sehr gut ausgeschilderter Rundweg, mit dessen Hilfe die Stellung leicht zu finden ist.

 Panorama

Die Küstenbatterie „Longues-sur-Mer“ bestand aus vier Geschützschartenständen M 272 sowie einem Feuerleitstand für leichte Seezielbatterien M 262a. Errichtet wurde die Atlantikwall Stellung im dritten und vierten Quartal des Jahres 1943. Zum Bau der fünf Regelbauten verarbeitete die Organisation Todt (OT) mehr als 3.700m³ Beton. Die Geschützstände wurden ca. 300 bis 400 Meter entfernt vom Feuerleitstand im Hinterland positioniert. Der Feuerleitstand selbst befindet sich nahe des Steilufers. Hier erhielten auch zwei Scheinwerfer mit einem Durchmesser von 1,5 Metern ihre Stellung. Mittels Erdkabel übermittelte der Feuerleitstand die errechneten Zielkoordinaten an jeden einzelnen Geschützbunker. Die Übermittlung basierte auf ein durch Wechselstrom gespeistes Folgezeigesystem, diese Technologie war einzigartig im Atlantikwall-Abschnitt der Normandie. Um die sensiblen Kommunikationskabel vor Bombenwurf zu schützen, wurden tief unterhalb der Erdoberfläche Kabelkanäle verlegt.

 Bunkerterrorist

Die Bewaffnung der Marineküstenbatterie Longues (4/HKAA 1260) bestand im wesentlichen aus vier 15,2cm Torpedobootskanonen der Firmen Skoda und Krupp, geschützt in Bunkern vom Regelbau-Typ M 272. Mit diesen in Pilsen gefertigten Kanonen konnte eine theoretische Schussfolge von 6 Schuss pro Minute erzielt werden. Der Lauf besitzt eine Länge von 6.772 Millimetern, die maximale Reichweite lag bei 20.000m. Zum Schutz der Bedienungsmannschaft erhielten die Geschütze Panzerschutzschilde gegen Splittereinwirkung, Detonationsdruck und Handfeuerwaffenbeschuss von aussen. Bei völliger Schrägstellung der Kanone, verdeckten so die Panzerschilde den größten Teil der Scharte des Regelbau M 272.  

Die verwendete Munition der Torpedo-Boots-Kanonen variierte zwischen Sprenggranaten L-4,6 Kopfzünder mit Haube, Sprenggranaten L-4,5 Bodenzünder oder Panzergranaten L-3,8. Des weiteren verstärkte ein 12,2cm Leuchtgeschütz vom Typ K390/1(r) die Feuerkraft der Batterie. Das 7,1t schwere Geschütz stand in einer offenen Feldstellung und hatte eine Reichweite von 21.000m. Die bis zu 25 kg schweren Geschosse verließen die Waffe durch einen 5.483 Millimeter langen Lauf. Zur Verteidigung gegen Luftangriffe erhielt die Stellung mehrere 20mm Flakgeschütze. Zur Nahverteidigung dienten hauptsächlich Maschinengewehre, die zum teil in Tobruk-Ständen (Regelbau 58c) untergebracht waren. Aber auch Mörser, Minenfelder und verschiedenste Infantrie-Hindernisse wie zum Beispiel Stacheldraht-Barrieren sollten die Batterie schützen.

 Regelbau M272

 Geschützbunker

Geschützschartenstand  Regelbau M 272

Höhe: 7,10m
Breite: 13,00m
Tiefe: 13,50m
Beton: 745m³
gebaute Anzahl am Atlantikwall: 65 stück

 

In den Tagen vor der Invasion der Alliierten Streitkräfte (Operation Overlord) wurde die Küstenbatterie „Longues-sur-Mer“ mehrfach aus der Luft angegriffen und mit Bombenteppichen überzogen. Trotz der massiven Luftangriffe konnten keine nennenswerten Schäden angerichtet werden. Hauptsächlich zerstörten die Bomben Infantrie-Hindernisse und unwichtigere Anlagen der Stellung.

Im Morgengrauen des 6 Juni 1944 eröffneten die Alliierten erneut das Feuer auf die deutschen Verteidigungsanlagen entlang der Landungsabschnitte. Diesmal erfolgte der Angriff von See aus, über die Schiffsartillerie von Kreuzern und Panzerkreuzern. Als die alliierten Schiffe in Reichweite der deutschen Küstenbatterie kamen, eröffnete Diese ebenfalls das Gegenfeuer. Es folgte ein stundenlanges Gefecht zwischen der alliierten Flotte und den deutschen Kampfbunkern. Erst der englische Kreuzer „Ajax“ brachte die Batterie durch Volltreffer in die Scharten zweier Geschützbunker kurz zum Schweigen. Die übrigen drei Geschütze der Atlantikwall-Stellung nahmen den Beschuss nach einer Pause wieder auf. Das freistehende 12,2cm Leuchtgeschütz wurde auf die Landungsabschnitte „Omaha“ und „Gold“ ausgerichtet, und nahm die Landungstruppen unter Beschuss. Die zwei übrigen Geschützstände lieferten sich ein erbittertes Feuergefecht mit dem Schlachtschiff „Georges Leygues“. In den frühen Abendstunden verstummte die Batterie endgültig. Am Morgen des 7 Juni nahmen die Alliierten die Stellung „Longues-sur-Mer“ entgültig ein.

 Bunker nach dem Volltreffer durch die "Ajax"

Anfang der achtziger Jahre wurde das ehemalige Gelände der Küstenbatterie umfassend von gefährlichen Kriegshinterlassenschaften geräumt und dem Besucher zugänglich gemacht. Einige verschüttete Teile der Anlage sind erst ab Sommer 2002, zum sechzigsten Jahrestag der Invasion im Jahr 2004 wieder freigelegt worden. Alle fünf Bunker der  Stellung „Longues-sur-Mer“ sind in unterschiedlicher Qualität vorhanden und können besichtigt werden. Teilweise ist auch noch die originale Bewaffnung in den Atlantikwall-Bunkern vorhanden. Wer eine Fototour bei gutem Wetter plant, sollte am besten früh Morgens dort aufschlagen. Sonnst könnte es sein, daß man sich mit Touristen-Trauben rumplagen muss. Bekannt wurde die Küstenbatterie mit ihrem Feuerleitstand durch den Film „Der längste Tag“. Allerdings stimmen viele Details im Film nicht mit der Realität überein. (ist halt nur ein Film)

 Feuerleitstand Regelbau 262a

 Beobachtungsbunker

Feuerleitstand Regelbau 262a

Höhe: 7,80m
Breite: 11,00m
Tiefe: 17,00m
Beton: 720m³
gebaute Anzahl am Atlantikwall: 22

Rechte:

Auf Tour waren: Micha (Damica) und Philipp.
Fotos: Damica.
Bericht: Björn (Bergmann).
Online Arbeit: Olly (Eismann) und Bergmann.
Produziert: Januar 2009.
Zeichnung: © Björn Hergemöller.

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