Der Hummeltenberg-Stollen bei Hückeswagen
An irgendeinem Tag, in irgendeinem Jahr gingen wir (Björn, Elke, Markus und ich) an der wunderschönen Wuppertalsperre im Bergischen Land spazieren. Frische Luft tut bekanntlich gut und dem Hund (Senta) gefällt so ein Ausflug sowieso bestens. Während einer kleinen Rast holte ich meine zufällig mitgeführte Topo-Karte der Region aus dem Rucksack und studierte diese. Und siehe da, in dem Waldstück, in welchem wir uns gerade befanden, waren zufälligerweise einige Stollenmundlöcher auf der Karte eingezeichnet. Nun denn, danach wollten wir mal das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und die Stollenmundlöcher (be-) suchen. Dank unserem eingebauten "Umgebungsscanner", welcher auf Stollensuchmodus eingestellt war, wurden wir auch recht schnell fündig. Alle Stollenmundlöcher von der Karte waren auch real vorhanden, teils verschüttet, teilweise mit einer schweren Stahltür verschlossen. Nur ein Mundloch wollte mit uns verstecken spielen, so dass wir es erst nach längerer Suche im Gelände fanden. Und wie es der Zufall (mal wieder) so wollte - das Stollenmundloch war offen. Wir beratschlagten nun, was zu tun war. Und da wir uns irgendwie auch für Stollen interessierten, kam irgendjemanden von uns die Idee, dass wir eventuell mal ein Blick in das Innere des Berges werfen könnten. Man weiß ja nie, vielleicht entdecken wir ja etwas Interessantes unter Tage. Und da wir zufälligerweise Helme, Geleucht und Schlaz mitführten, stand einer Befahrung nichts mehr im Wege...
Stollenmundloch unterer Hummeltenberg-Stollen
Wieder zu Hause in Wuppertal angekommen durchsuchte ich, neugierig wie ich nun mal bin, mein Privat-Archiv um herauszufinden, welche Stollen wir in Hückeswagen gefunden hatten. In und um Hückeswagen gab es ja eine Menge Altbergbau in Form von kleinen Eisenerz- und Bunterzgruben. Doch die Stollen, welche wir fanden, hatten bis auf die Auffahrung nicht viel mit Bergbau zu tun. In Schriften des Bergischen Geschichtsvereins, Abteilung Hückeswagen, wurde ich dann fündig: Die in diesem kleinen Bericht vorgestellten Stollen sind der untere und der obere Hummeltenberg-Stollen. Der untere Hummeltenbergstollen war ein Teil der Wasserrohrverlegung zwischen der Kerspe-Talsperre (Kierspe-Rönsahl) (Hallo Christoph...) und der Herbringhauser Talsperre bei Wuppertal-Beyenburg. Der Stollen wurde 1910 aufgefahren und hat eine Länge von 184 Metern. Durch ihn verlief die Trinkwasserversorgungsleitung zwischen dem Sauerland, dem Bergischen Land und dem Bergischen "Drei-Städte-Eck" bestehend aus den Großstädten Remscheid, Solingen und Wuppertal. Heute ist der untere Hummeltenberg-Stollen nicht mehr in Betrieb. Die Rohrleitungen wurden entfernt und die beiden Stollenmundlöcher sind nahezu komplett verschüttet. Stollenmundloch oberer Hummeltenberg-Stollen
Der obere Hummeltenberg-Stollen diente ebenfalls zur Wasserrohrverlegung. Er wurde im Jahre 1924 durch das Gebirge getrieben und hat eine Gesamtlänge von 247 Metern. Die Fundamentreste der 80 Zentimeter starken Trinkwasserleitung sind im Stollen teilweise noch vorhanden. Die Rohrleitung an sich fehlt gänzlich. Der obere Hummeltenbergstollen ist im standfesten Gebirge aufgefahren, lediglich in den Störungszonen kam ein Ausbau in Form von einer Klinkerausmauerung zum tragen. Der Stollen steht heute größtenteils unter Wasser, ist aber ansonsten in einem sehr guten Zustand, wie die nachfolgenden Fotos beweisen. Von diesen Rohrleitungsstollen gibt es eine Menge im Bergischen Land, so dass es vielleicht schon bald wieder heißt: Glückauf und Willkommen in Stollenhausen...
Fundamentreste der Trinkwasserleitung
Stollenstrecke des Hummeltenberg-Stollen
Ausbau der Störungszone
Ende...
© Stollenolly, untertage-übertage, 2010 // Fotos von Björn und Olly...
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Der Deitersstollen bei Ibbenbüren
Stollenmundloch im Teutoburger Wald
Der Deitersstollen liegt im Riesenbecker Berg, der Nordflanke des Teutoburger Waldes bei Ibbenbüren. Dieser 70m lange, 1,75m hohe und 1,50m breite Blindstollen wurde 1931 aufgefahren. An seinem Ende befindet sich ein Brunnen, der noch heute der Firma „Crespel & Deiters“ als Wasserversorgung zur Herstellung von Stärke dient. Zweimal wöchentlich werden der Wasserstand und die Wasserqualität überprüft. Ausgemauert wurde das Halbtonnengewölbe des Stollens mit roten Ziegeln.
der Deitersstollen bei Ibbenbüren
Am 3. April überschritten alliierte Truppen die Dörenther Klippen und den Riesenbecker Berg. Es kam zu schweren Kämpfen an der Südflanke des Teutoburger Waldes. Artillerie und Panzer beschossen immer wieder den Wald und Ibbenbüren, unterstützt durch Jagdbomber, die regelrecht Jagd auf einzelne Menschen machten. Jeder Schritt außerhalb des Hauses war mit Lebensgefahr verbunden. Ibbenbüren fiel am 5ten und 6.April im Kampf von Haus zu Haus, nachdem es täglich beschossen worden war. Das Resultat war: Zerstörte Häuser, hunderte von Toten auf beiden Seiten.
Zeitzeugen berichteten, daß im Sommer 1945 der Wald auf dem Riesenbecker Berg an vielen Stellen trostlos aussah. Gebietesweise waren sämtliche Bäume zerschossen und der Boden durch Granateinschläge zerfurcht. Mitarbeiter der Weizenstärkefabrik „Crespel&Deiters“ nutzten den Stollen nicht als Luftschutzraum, da sie auf dem Werksgelände einen eigenen Luftschutzbunker der Firma Winkel (daher auch „Winkelturm“) besaßen. Dieser Spitzbunker wurde allerdings im Januar 2002 abgerissen. Heute gehört das fast 150 Jahre alte Traditionsunternehmen "Crespel & Deiters" zu den größten Firmen Ibbenbürens.
Krieg bringt nur Tod und Zerstörung, darum: Nie wieder Krieg!!!
Informationsquellen:
- Stadtarchiv Ibbenbüren
- Ibbenbürener Volkszeitung I.V.Z.
Glück auf, Björn.
Fotograf bei der Arbeit
© www.untertage-übertage.de, 2008
