Ausflug zur Eisenerzgrube Wohlverwahrt in Porta-Westfalica Kleinenbremen

Da will der Eismann hin...

Sommer 2006: Nachdem wir gestern schon auf dem Jakobsberg gegrillt, und in Minden übernachtet hatten, wollten wir uns das Besucherbergwerk in Kleinenbremen anschauen. Ich selber war glaub ich so 1990 das letzte mal mit meiner Familie dort und konnte mich gar nicht mehr so genau erinnern. Also auf ein Neues. So machte sich unsere Gruppe, bestehend aus Flatti, Philipp, Marcel, Sabine und mir (Eismann) nach Kleinenbremen, einem Stadtteil von Porta-Westfalica, auf. Und an dem, was wir an diesem sonnigen Sonntag so gesehen haben, könnt ihr nun auch teilhaben, viel Spass auch...

Schutzanzug der Grubenwehr im Museum

Untertage im Wesergebirge

Geschichte:

Die Geschichte der Grube Wohlverwahrt beginnt im Jahre 1883, als die gleichnamige Gewerkschaft in ihrem Distriktfeld ihren Grubenbetrieb aufnahm. Das Flöz Wohlverwahrt wurde mittels einem Hangstollen angefahren. Zwei Jahre später teufte man einen 24,5 Meter tiefen Schacht auf das Flöz und richtete die erste Tiefbausohle ein. Danach brachte man ein 130 Meter langes Hauptgesenk im Einfallen des Flözes nieder und setzte in Richtung Westen und Osten, unterhalb des Gebirgskamms Örter an. Die Gewerkschaft Wohlverwahrt ging in dem Jahr 1888 in den Besitz des Montankonzerns "Union, Aktiengesellschaft für Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie zu Dortmund" über.

Die aus dem Jahre 1889 datierte Jahresfördermenge der Grube Wohlverwahrt belief sich auf knapp 65.000 Tonnen Eisenerz bei einer Belegschaft von 290 Kumpeln. Im selben Jahr wurde die Zeche mit einer Grubenbahn mit dem Bahnhof Porta angeschlossen. Zuvor wurden die Erze mit Pferdefuhrwerken zur Verladung zur Bahnstation nach Bückeburg gebracht. Im Jahre 1899 führte man sowohl in den Tagesanlagen, als auch in den untertägigen Strecken und Kammern eine Acetylen-Beleuchtung (Sassmann System) mit gutem Erfolg ein. Bis das Bergwerk im Jahre 1915 eine Jahresförderung von rund 180.000 Tonnen erreichte, wurde es durch den Bau einer neuen Hauptfördermaschine, elektrisch betriebenen Pumpen und Bohrern, einer modernen Waschkaue für die Bergleute und einem eigenen Wärmekraftwerk, erweitert.

Die im Jahre 1938 gründete Eisenerzgrube Nammen wurde noch im selben Jahr untertägig mit der östlich liegenden Grube Wohlverwahrt verbunden. Der knapp 800 Meter lange, querschlägig verlaufende Nammer Stollen war der erste Schritt zu einem Verbundbergwerk. Durch streichende Strecken, im Niveau des Stollens und auf den durch einfallende Strecken verbundenen Tiefbausohlen wurde die Lagerstätte weit nach Osten und Westen aufgeschlossen. Die Bewetterung der Abbaufelder wurde durch die, an den Förderstollen angelegten Aufhauen gewährleistet. Alle 200 Meter wurde eine Aufhaue angelegt, wovon nicht alle zu Tage strichen.

Rollenmund mit Erzwagen im Nammer Stollen

Die Fördermenge der Eisenerzgrube Wohlverwahrt erreichte 1940 eine Höhe von 520.000 Tonnen. Kriegsbedingt war die Förderung in den nächsten Jahren zunächst rückläufig, bevor sie 1952 zu einem Höhepunkt von 1.000.000 Tonnen Eisenerz bei 460 Mann Belegschaft geklettert war. Das Verbundbergwerk hieß nun "Wohlverwahrt-Nammen" und die Erzverladung wurde zur Betriebsabteilung Nammen verlegt. Gleichzeitig wurden die bis dato zur übertägigen Förderung eingesetzten Dieselloks gegen modernere Elektroloks ausgetauscht. 1957 wurde auch die untertägige Förderung auf gleislose Fahrzeuge umgestellt. Hinzu kam noch der Erzabbau in Tagebaubetrieben, wie zum Beispiel in der Wülpker Egge.

Die Wasserlösung des Bergwerks wurde durch Pumpen auf die Wasserlösestollensohle gefördert. Die höchste Förderung überhaupt wurde im Jahre 1960 erreicht. Diese belief sich auf 1.200.000 Tonnen Fördergut. Steigene Kosten und stagnierende Erzpreise zwangen die Zeche Wohlverwahrt-Nammen in den folgenden Jahren zu einer Reduzierung der Fördermenge und natürlich auch der Belegschaft. Der zur gleislosen Erzförderung im Jahre 1771 angelegt Stollen "Nammer Berg" wurde sechs Jahre später von einem neuen Schrägstollen abgelöst. Dieser neue Stollen, der Grubenbauten mit den Tagesanlagen verband, hat einen Querschnitt von 25 m², ein Einfallen von 9% und wird als Barbara-Rampe bezeichnet. Auch heute ist die Barbara-Rampe noch einer der Hauptzugänge in das Eisenerzbergwerk im Wesergebirge. Die Eisenerzgrube Wohlverwahrt-Nammen ist heutzutage noch in Betrieb...

Abbaubagger im Besucherbergwerk

Pfeiler-Kammerbau in der Erzlinse

Abbauverfahren:

1883-1934: Steichender Örterbau mit Pfeilerrückbau
(Abbaustrecke: 4m, Rückbaufesten: 6m)
1934-1970: Schwebender Örterbau mit elektrischem Schrapperhaspel
(Ortsbreite: 10m, Erzfeste: ca. 4x4m)
1970-Heute: Kammerpfeilerbau mit Sicherheitspfeiler
(Abbaukammer: Breite: 9m, Höhe: 22m, Länge 200m)

Schrapperhaspel

Die Erzgewinnung erfolgt heutzutage mittels Sprengung. Die Bohrlöcher werden von elektrohydraulischen Großbohrwagen mit mehreren Lafetten fünf Meter tief in das Gestein getrieben. Das Bohrmehl wird mit Wasserdruck aus dem Bohrloch gespühlt. Danach wird von einem Sprengstofffahrzeug die Sprengmittel vor Ort gebracht. Der lose Ammonium-Nitrat-Sprengstoff wurde in die Bohrlöcher eingeblasen und nachdem der Bereich geräumt wurde, zur Zündung gebracht. Nach der Sprengung wird das Haufwerk von einem Frontschaufelbagger in einem Schwerlaster gekippt, welcher das Fördergut dann zur übertägigen Erzaufbereitung transportiert. Dort wird das Erz in mehreren Stufen gebrochen und zur Weiterverarbeitung abtransportiert...

Stollenstrecke im Wesergebirge

Befahrung:

Nachdem wir uns die verbleibene Zeit bis zur nächsten Grubenfahrt mit einer Erkundung des recht interessanten Museums verkürzt hatten, war es dann endlich soweit. Voller Erwartung enterten wir den 1937 erbauten Dieseltriebwagen MBK-VT 01, welcher uns in die dunkle Welt im Wesergebirge bringen sollte. Dieses hat er dann auch getan. Nach einer kurzen Fahrt durch den Eisenbahnstollen kamen wir dann endlich Untertage an. Dort verabschiedete sich der Lokführer vorerst und übergab uns dem Bergwerksführer. Dieser berüßte die Besuchergruppe mit einem lautem "Glückauf" und dirigierte uns um die nächste Ecke in das erste Abbaufeld. In der sogenannten "Schermbecker Erzlinse" erfuhr die Besuchergruppe viel Wissenswertes über die Gewinnung von Eisenerz. Ein Schrapperhaspel und mehrere Seilumlenkrollen war in dem Abbaufeld zu sehen. Auch ein Druckluftbohrhammer wurde vorgeführt. Wobei der Lärm des Abbauhammers vorallem den Kindern nicht so behagte. Tja, ein Bergwerk ist nunmal kein Ponyhof! Wir schossen fleißig Fotos und folgten dann der Gruppe. 

Besuchergruppe

Weiter ging die Exkursion mit einem Personenzug, womit die Bergleute früher die langen Stollenstrecken zum Arbeitsplatz zurückgelegt hatten. Diese Grubenbahn fuhr einige hundert Meter durch den Wülpker Stollen in Richtung Westen. Die restaurierte Grubenbahn besteht aus Originalwaggons mit je 12 Sitzplätzen pro Waggon. Lediglich die Lok ist vom Dieselbetrieb auf Akku-Berteib umgestellt worden. Nachdem die Grubenbahn wieder hielt, befanden wir uns in einem viel größeren Abbaufeld. Dieses befindet sich in der "Wohlverwahrter Erzlinse" und war beeindruckend. Die Dimensionen der Grubenräume erinnerten mich stark an "Schlammpeitzger" und "Igel". Ich fühlte mich also vollkommen wohl und ließ die Szenerie auf mich wirken. Doch der Bergwerksführer rief zur Eile an und wollte weiter. Waren wir doch vorhin bei der Einfahrt schon augefallen, da wir als Einzige der Besuchergruppe unsere eigenen Helme und Grubenlampen mitführten.

Der mit einer Ceag bestückten und in weißen Bergmannsklamotten auftretene Mann fragte uns, was wir denn wohl für ein Team wären? (Jetzt weiß er es, wenn er diesen Bericht ließt.) Der weitere Weg führte an einem See und an einem Erzbunker vorbei, bevor wir einen Bremsberg zurück auf die Wülpker Stollensohle erklimmeten. Dort wartete die Grubenbahn auf uns (im wahrsten Sinne des Wortes) und wir fuhren wieder in Richtung Abbaufeld "Schermbecker Erzlinse". Dort gab es noch einen Rundkurs zu befahren, an dem verschiedene Fahrzeuge und diverses Bergmannsgezähe ausgestellt war. Unter anderem sahen wir verschieden Bohrgestänge, eine Schrapperanlage, Förderwagen, mehrere Bagger und LKWs, sowie ein Bohrwagen, wie er weiter oben im Text beschrieben wird.

Bevor wir wieder zur Ausfahrt in den Dieseltriebwagen stiegen, wurde das Thema U-Verlagerung "Elritze" noch kurz angeschnitten. Meiner Meinung nach viel zu kurz, aber die "normale" Besuchergruppe interessiert sich eben nicht für Unterirdische Rüstungsbetriebe aus dem Zweiten Weltkrieg.Fazit: Tolle Befahrung in einem der besten Besucherbergwerke, die ich je gemacht habe. Kann ich weiter empfehlen, Adresse weiter unten. Glück Auf, Eismann...

Eismann unter Tage

Übertage:

Nach der Untertagetour haben wir uns noch ein wenig in dem Tagebau nahe des Museums umgesehen. Der Tagebau diente zum Abbau von Eisenerz und von Zuschlagkalk, welcher zur Verhüttung des Eisenerzes benötigt wurde. Am Rande des Tagebaus befindet sich neben einigen Ausbissen noch die Ruine der alten Brech- und Siebeanlage der Zeche Wohlverwahrt. Die imposanten Tagesanlagen und Huthäuser wurden von uns ausgiebig erkundet und fotografisch erfasst. Auch einige alte Loren standen zwischen den Birken in dem Steinbruch herum. Nach einiger Zeit verließen wir das Zechengelände wieder und machten uns auf den Weg nach Hause...

Tschüß, Wesergebirge...

ehemalige Brechanlage

Industrieruine

Tagebau mit Erzausbissen in der Steilwand

Adresse Besucherbergwerk:

Besucherbergwerk Kleinenbremen
Rintelner Straße 396
33457 Porta Westfalica
Tel: 0571-9344438 

Fotos: Eismann, Flatti und Philipp Altbergbau
© 2006/untertage-übertage - online gestellt an Marcels Geburtstag 2009, Grüße und Glückauf an die beiden Orangenbauern...