U-Verlagerung Rebhuhn / Projekt A1


 Reste der Schmalspurbahn vorm Tunnelportal...

Prolog - Der erste Kontakt:

Glückauf, liebe Bunkersportler, Stollengänger, Historiker und Freunde der sieben Grad kühlen Innentemperatur. Tja, nun ist es schon fast fünf Jahre her, daß wir den alten Reichsbahntunnel im Teutoburger Wald das erste mal besuchten. Ich erinnere mich noch genau, wie wir die Treppe herunter liefen, um die Ecke schauten und die offen stehende Tür im vermauerten Südportal in der Schlucht erblickten. Mit damals noch kleiner Austattung aber nicht ohne dem nötigen Respekt wagten wir uns in das dunkle und kalte Innenleben des verlassenen Tunnels. Nach der ersten Befahrung waren wir begeistert und uns sofort im klaren, daß wir nicht zum letzten Male vor Ort waren. Die ganze Atmosphäre des Tunnels war überwältigend. Die Sandsteinwände im Inneren waren im Laufe der Jahrzehnte durch den Rauch der Dampflokomotiven schwarz gefärbt. Die rußbedeckten Wände schluckten unser Licht, so dass es kaum möglich war den ganzen Eisenbahntunnel auszuleuchten und einzusehen.

Schön sind auch die Gardinen aus Kalksinter an Wänden, Nischen und in den Ausweichbuchten. In Einer der alle 20 Meter vorkommenden AB`s befindet sich auch eine kleine Naturhöhle im Sandsteingebirge. Ich hab keine Ahnung wie oft wir mittlerweile schon die Anlage Rebhuhn besucht haben, aber obwohl es "nur" ein verlassender Reichsbahntunnel ist, gibt es beim genaueren Hinsehen immer wieder etwas Neues zu entdecken. Kennt eigentlich jemand die im Betonfudament festgewachsenen Metallspäne neben den Sockeln der Drehbank oder die Stiefelspuren der Soldaten im Beton? Auch das Wetter im Tunnel ist sehr launisch: Bei der Hälfte aller Befahrungen hatte es im Tunnel geregnet, obwohl in den Sommermonaten seit Wochen kein Tröpfchen vom Himmel fiel. Ein paar mal war so starker Nebel im Tunnel, daß wir trotz Handstrahler keine zehn Meter weit kucken konnten. Aber wie dem auch sei, im Laufe der Jahre haben sich immer mehr Erkenntnisse und Fotos zur U-Verlagerung "Rebhuhn" angesammelt, so daß es dringendst Zeit für diesen Bericht wurde...

 Wandstärke Südportal: 1.75 Meter...

Geheimprojekt im Teutoburger Wald - U-Verlagerung "Rebhuhn"

Das unterirdische Rüstungswerk "Rebhuhn" war gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in einem stillgelegten Reichsbahntunnel untergebracht. Der Tunnel befindet sich im Teutoburger Wald, etwa 35 Kilometer nördlich von Münster. Durch ihn führte früher die zweigleisige Eisenbahnlinie Münster-Osnabrück. Der zwischen Januar 1869 und Dezember 1871 erbaute Tunnel hat eine Länge von 765 Metern. Die Bauzeit des Rebhuhn-Tunnels betrug zwei Jahre und elf Monate. Ende des Jahres 1871 konnte die Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft die Strecke Münster-Osnabrück eröffnen. Fast 60 Jahre war der Tunnel in Betrieb. Im Jahre 1935 (7 Jahre nach der Stilllegung) stellte die Reichsbahndirektion mit Sitz in Münster fest, daß der Tunnel noch in einem erstaunlich gutem Zustand sei. Das Mauerwerk hielt sehr gut, lediglich am Nordende des Tunnels seien einige Verwitterungserscheinungen aufgetreten, so das der Tunnel reaktiviert werden könne. Doch dazu kam es nicht mehr - Schon bald interessierte sich die deutsche Kriegsmaschinerie für das Objekt.

 Betonsockel aus der Flugzeugproduktion...

Schon zwei Wochen nach dem Zusammenschluß des Jägerstabs am 1 März 1944 begann man unter Leitung der OT- Einsatzgruppe VI mit den Baumaßnahmen an und in dem Reichsbahntunnel. Zunächst wurde das Gleisbett entfernt, danach eine Rinne ausgekoffert, indem ein Entwässerungskanal angelegt wurde, bevor der Boden mit einer Betonschicht versehen wurde. Das betonierte Fundament war nötig, um den Maschinen einen sicheren und stabilen Halt zu geben. Es reichte nicht ganz bis zur Tunnelwand. Bevor die seitlichen Mauern hochgezogen wurden, hatte man einige Teile der Tunnelwände mit Holztafeln ausgekleidet, damit die Fabrik besser gegen Nässe geschützt war. Der ganze Innenbau wurde mit einer Decke versehen, so daß sozusagen ein rechteckiger Tunnel im Tunnel endstand. Die Abschlussdecke bestand unterhalb der Firste aus Stahlträgern, an denen ein Brückenkran hing. Für den Umbau vom Tunnel zur Flugzeugfabrik wurden neben 1.200 Tonnen Zement, mehreren Kubikmeter Rundhölzern auch rund 60.000 Ziegelsteine benötigt.

Hinter den Mauern rechts und links verliefen die Versorgungsleitungen wie Stromkabel und Lüftungsrohre. Alle zehn Meter war eine elektrische Heizung installiert, damit die wertvollen Maschinen in einem guten funktionierenden Zustand blieben. Das Belüftungs,- und Heizsystem sollte lediglich die Maschinen vor Korrosion schützen und nicht etwa den eh schon durch Unterernährung, Schlafmangel und der langen Arbeitszeit entkräfteten Häftlingen die Arbeit erleichtern. Vom Haupteingang, dem Südportal aus gesehen standen auf der rechten Seite der langen Fertigungshalle die Werkbänke und Maschinen der Rüstungsfabrik. Auf der linken Seite des Tunnels war eine Schmalspurbahn zum Transport der Bauteile verlegt worden. Diese Schmalspurbahn verlief bis vor das Südportal und hatte Anschluß an das Hauptschienennetz der Reichsbahn. Die Portale des Reichsbahntunnels wurden zum Schutz vor Bomben vermauert. Die Wandstärke der Vermauerung am Südportal beträgt 1,75 Meter und ist heute noch vorhanden.

 Einbauten aus der Zeit des  Schießstands...

Die Bombensicherheit des Tunnels war mit einem Deckgebirge von einer Stärke zwischen 20 und 70 Metern mehr als gewährleistet. Binnen 8 Wochen waren die Umbaumaßnahmen abgeschlossen, so das die Produktion mitte Mai 1944 beginnen konnte. Bei der U-Verlagerung "Rebhuhn" handelte es sich um die als erste Einsatzbereite Untertageverlagerung im Jägerprogramm. Ziel des Jägerstabs war es mit allen Mitteln die Produktion von Jagdflugzeugen aufrecht zu erhalten, bevor alliierte Luftangriffe die deutsche Kriegsmaschinerie völlig lahmlegen konnten. Die erste Welle der U-Verlagerungen wurde unter der Regie des SS-Ingenieurs Kammler in schon vorhandene bombensichere Hohlräume wie Bergwerke, Höhlen und eben Reichsbahntunnel errichtet. Dieses waren die sogenannten A-Vorhaben, die zur Reparatur und/oder zur Rüstungsendfertigung dienten. Die A-Projekte des Zweiten Weltkrieges wurden durchnummeriert und bekamen noch einen Decknamen je nach Art der U-Verlagerung. Neubauten von Stollenanlagen für unterirdische Rüstungswerke waren die sogenannten B-Projekte. Diese bekamen Decknamen aus dem Bereich der Gesteinskunde, wie zum Beispiel die U-Verlagerung "Zeolith", die nur wenige Kilometer von hier entfernt liegt. Die hier gezeigte Untertage-Verlagerung hatte den für einen Reichsbahntunnel typischen Decknamen aus der Ornithologie. Neben dem Tarnnamen "Rebhuhn" war diese unterirdische Rüstungsfabrik auch das Projekt A1.

 Betonierte Sohle im Tunnel...

Die Anlage hatte die Konstruktionsnummer 206 und war in zwei etwa gleich grosse, aber getrennte Bereiche aufgeteilt. Im vorderen, südlichen Teil des Tunnels hatte die Firma VLM GmbH (Vereinigte Leichtmetallwerke) aus Hannover-Linden ihre 3.500 qm grosse Produktionsfläche bezogen. Sie stellte neben Schmiede-, und Spitzteilen auch Profile für Tragflächen aller gängigen Jagdflugzeuge her. Im hinteren Teil der U-Verlagerung wurden auf etwa 3.300 qm Treibstofftanks und weitere Teile für die Schmitt-Argus-Triebwerke der Flügelbombe Fi 103 ( V1 ) von der Firma Aldinder hergestellt. Zwischen den beiden Betrieben in dem Tunnel war eine dicke Betonwand und die Trafostation, welche den Oberleitungsstrom von 10.000 Volt auf Gebrauchsstrom von 220 bzw. 360 Volt herrunter transformierte, errichtet worden. Ebenfalls in der Mitte des Tunnels befanden sich auch die Büros, eine Krankenstation und eine Küche mit Aufenthaltsraum. Diese war vornehmlich für die Vorarbeiter und die Wachmannschaft gedacht. Den im vorderen Teil arbeitenden Zwangsarbeitern war es strengstens verboten, den hinteren Bereich des Tunnels, sowie die Zwischenräume (Bis auf die Krankenstation?!) zu betreten.

Das Nordportal der geheimen Produktionsstätte für Rüstungsgüter wurde fest verschlossen, abgetarnt und von mehreren Wachen beaufsichtigt. In der Schneise vor dem Südportal befanden sich neben einer Verladeeinrichtung mit Kran auch eine Baracke für den Pförtner und das Wachpersonal, welches aufpasste, daß keiner der Zwangsarbeiter fliehen konnte. Unter der Baracke versteckte sich ausserdem noch ein kleiner Luftschutzbunker. Etwa 100 Meter vom Haupteingang entfernt befanden sich die Toiletten an der rechten Steilwand. In der Nähe, auf dem Berg über dem Tunnel, hatten eine Flak-Batterie und eine Scheinwerferstellung ihre Posten bezogen. Die Produktionsstätte in dem Reichsbahntunnel bestand noch bis Zuletzt. Erst ende März wurde die U-Verlagerung Rebhuhn Hals über Kopf verlassen. Die ganzen Einrichtungsgegenstände wurden zurück gelassen und fielen den Alliierten am Ostermontag den 2 April 1945 in die Hände...

 Immer den Durchblick behalten...

Die Zwangsarbeiter des KZ-Aussenlager A1 im Reichsbahntunnel:

In fast allen unterirdischen Geheimprojekten der Nazis im Zweiten Weltkrieg wurden die anfallenden Arbeiten von Zwangsarbeitern durchgeführt. Arbeitskräfte waren vor allem gegen Ende des Krieges in Deutschen Reich mangelware. Die Zwangsarbeiter mussten sowohl die Tunnel und Stollen ausbauen, als auch an den Werkbänken und Maschinen arbeiten. Beaufsichtigt wurden sie von den zahlreich anwesenden Wachpersonal, bestehend aus Soldaten der Luftwaffe und einigen SS-Leuten. Die Vorarbeiter bestanden meistens aus deutschen Facharbeitern, welche die Zwangsarbeiter einwiesen und deren Arbeit kontrollierten. Falls ein Häftling eine Handwerkliche Ausbildung wie Schlosser, Dreher oder Ähnliches aufweisen konnte, war er etwas besser dran, als seine Leidensgenossen. So auch war es auch der Fall bei der Rüstungsfabrik "Rebhuhn" unter dem Teutoburger Wald. Das Konzentrationslager A1 bestand aus der Arbeitstelle im Tunnel und dem etwa zwei Kilometer entfernten Schlafplatz in einer Gaststätte.

Der Lagerkomplex existierte ein Jahr lang ab März 1944 bis es ebenfalls im März 1945 kurz vor Einmarsch der Alliierten Truppen wieder aufgelöst wurde. Die Belegschaft der Häftlinge war aus rund 200 Personen aus den verschiedensten Europäischen Ländern zusammen gesetzt. Diese waren allesamt vorher Insassen des Hauptlagers Neuengamme bei Hamburg. Mit diesem Bericht wollen wir die Öffentlichkeit wachrütteln, zum Nachdenken anregen, und nicht länger über die Geschehnisse rund um das Aussenlager A1 im dunkeln tappen lassen. Viel zu grausam und schrecklich waren die Ereignisse im Arbeitslager, die Arbeitssituation und die Haftbedingungen in den Unterkünften um sie zu verschweigen. Damit der Zustand, denen die Häftlinge ausgesetzt waren, nicht in vergessenheit geraten, werden hier nun einige Geschichten und Vorkommnisse näher beschrieben wie die
ehemalige Zwangsarbeiter in Rebhuhn unter der NS-Ideologie zu leiden hatten;

 Blick in die ehemalige Produktionsstraße...

In dem Aussenlager am Fuße des Teutoburger Waldes galten die gleichen Regeln, Vorschriften und Strafen, wie in jedem Konzentrationslager im gesamten Reichsgebiet auch. Diese wurden von der Lagerleitung auch konsequent angewendet. Nicht zuletzt deshalb kam es auch im Lager A1 zu einer Reihe von Todesfällen: Menschen starben durch Entkräftung, durch Exekution wegen angeblicher Sabotageakten oder bei Fluchtversuchen. Bei Verstössen gegen die Lagerordnung wurden die Arbeiter oft bis zur Bewustlosigkeit verdroschen. Aber auch der normale Alltag der Zwangsarbeiter verlief unter kräftezehrenden Bedingungen, wie einige ehemalige Häftlinge zu berichten wissen: Der Gasthof, in dem wir untergebracht waren, lag ca. zwei Kilometer von unserem Arbeitsplatz unter Tage entfernt. Die 200 Häftlinge im Lager kamen aus den verschiedensten Ländern. Es gab Franzosen, Belgier, einige Italiener, viele Osteuropäer aus der Ukraine, Tschechien und Russland sowie einige wenige Deutsche, die als gewöhnliche Kriminelle galten. Die Betten, in denen wir schliefen bestanden aus einer 50 Zentimeter breiten mit Stroh bedeckten Pritsche aus Holz. Zu jedem Bett gehörte noch eine dünne Decke.

In jedem Raum standen 12 bis 14 von den dreistöckig angeordneten Pritschen. Da Tag und Nacht im Schichtbetrieb im Tunnel gearbeitet wurde, diente ein Bett für zwei Personen. Und das auch nur zum schlafen. Die Frühschicht musste um 4.30 Uhr aufstehen, sich waschen und dann das karge Essen abholen. Die Verpflegung bestand in der Regel aus einem Viertelliter Kartoffelkaffee, einigen Gramm Margarine und einer dünnen scheibe Brot. Nach dem Frühstück ging es zum Appell, welcher bis zum Aufbruch in Richtung Rüstungsfabrik andauerte. Für die Appelle mussten man sich in Fünferreihen aufstellen und wurde unter andauernden Schlägen gezählt. Das Zählen wurde immer von mehreren Chefs, wie SS-Leuten oder Kapos durchgeführt. Das Ergebnis sollte dann übereinstimmen, was es aber im seltensten Fall tat, so daß das Appell noch einmal etwas brutaler durchgeführt wurde. Die Appelle dauerten immer sehr lange und waren ermüdend. Hinzu kam noch, daß wir solche sachen wie Mütze abnehmen und auf die Oberschenkel klatschen simultan vorführen sollten, was allerdings auch nie klappte. Diese Appelle wollten nie enden und spielten sich bei jedem Wetter auf dem Innenhof der Gaststätte ab. Egal ob es regnete oder schneite. Es gab viele solcher Appelle, bei jedem Betreten oder Verlassen des Lagers, vor dem Tunnel erneut, manchmal sogar innerhalb des Lagers in der Nacht.

 Lichtspiele...

Unsere Kleidung bestand aus einer gestreiften Jacke, Hose und einer Mütze. Darunter trugen wir ein Hemd und eine Unterhose. Als Fußbekleidung hatte jeder ein Paar Holzschuhe zu verfügung. Vor allem im Winter, wenn man durch den tiefen Schnee am frühen Morgen zur Arbeit im Tunnel ging, wurden unsere Klamotten sehr nass, und blieben dies auch noch mehrere Tage. In dem Tunnel selber arbeitete die Frühschicht bis zur Ablöse um 18.00 Uhr. Gegen elf Uhr gab es für die Frühschicht eine halbstündige Pause, in der uns etwas wie Suppe, oder Ähnliches gegeben wurde. Nach den üblichen Appellen gab es zwischen 19.00 und 20.00 Uhr das Abendessen, was wieder aus einer scheibe Brot, etwas Magarine und einer Tasse Kaffee bestand. Wir machten jeweils eine Woche Tag und eine Woche Nachtarbeit. Nur alle zwei Wochen hatten wir Sonntags Nachmittag Pause. Dann standen die Maschinen im Tunnel für sechs Stunden still. Doch auch das war keine Erholung. Wir mußten uns waschen, danach zum Friseur, anschließend den Saal reinigen, in dem wir schliefen und aßen. Danach folgte die Austeilung sauberer Hemden.(...)

Die Arbeit im Tunnel war sehr erschöpfend. Neben dem Schlafmangel und der unzureichenden Ernährung hatten wir stets Angst vor dem Wachpersonal. Besser gesagt vor der Prügelstrafe, die schon wegen dem kleinsten Vergehen, oder manchmal auch einfach nur so zu erwarten war. Die Bestrafung bestand aus 25 Schlägen auf den Hintern. Die Schläge wurden mit einem 70 Zenlimeter langem und 3 Zentimeter dickem Stromkabel auf das nackte Gesäß durchgeführt. Der zu Bestrafende wurde von zwei Assistenten fest gehalten, während der Kapo unter SS-Aufsicht mit aller Kraft zuschlug. Sehr oft wurde der Bestrafte vor dem Ende ohnmächtig und landete anschließend in der Krankenstation. Doch es konnte für einen Zwangsarbeiter noch schlimmer kommen. Ein (vermeintlicher) Sabotageakt oder ein Fluchtversuch bedeutete den Tod durch Erhängen für den Häftling. Auch dieses ist mehrfach im Aussenlager A1 geschehen.

 Für die Ewigkeit in Beton gegossen...

Die meisten Fluchtversuche gab es während der Ausbauphase der Untertageverlagerung "Rebhuhn" und kurz vor der Evakuierung des Lagers. Doch keiner der Versuch war erfolgreich und dauerte länger als ein paar Tage an. Nachdem der Flüchtige Zwangsarbeiter erwischt wurde, wurde er umgehend von der SS zurück in das Lager gebracht, wo er vor der versammelten Häftlingsgemeinschaft aufgehangen wurde. Während der Betriebsphase des Rüstungswerkes gab es auch einige Todesfälle: Ein Gefangener hatte versucht sich im Transformatorraum zu verstecken. Er bekam dabei schwere Stomstöße ab, die ihn teilweise schwer verbrannten, was wiederum die Kontakte unterbrach, weswegen er auch gefunden wurde. Nachdem er erst ins Stammlager Neuengamme, und aufgepäppelt wieder zurück ins Aussenlager A1 geschickt wurde, erhängte man ihn vor der versammelten Gruppe an einem Flaschenzug vor dem Tunnelportal. Ein weiterer Häftling wurde der Sabotage beschuldigt und ebenfalls etwa 100 Meter vor dem Haupteingang exekutiert. Als dieser an den Kran gehangen wurde, war er schon so zusammengeschlagen worden, daß er kaum noch stehen konnte. Zählt man all die Toten zusammen, so starben im Aussenlager A1 mindestens 16 Menschen an einem unnatürlichen Todes...

 Tunnelblick...

Epilog - Der Tunnel nach dem Zweiten Weltkrieg:

Nach Ende des Krieges wurden alle Einrichtungsgegenstände aus der unterirdischen Flugzeugfabrik entfernt. Wohin die Maschinen gelangten lässt sich heute leider nicht mehr rekonstruieren. Die Mauern und Zwischenwände wurden abgerissen. Die letzten Zeugen der Untertage-Verlagerung sind heutzutage noch das Betonfundament, einige Metallteile an den Wänden, die Maschinensockel und die Eingangsbereiche des Tunnels. Auch der Bunker und die Entwässerungskanäle sind noch vorhanden. Von der Schmalspurbahn sind lediglich noch die Gleise vor dem Hauptportal zu erahnen. Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entstand in dem Eisenbahntunnel bedingt durch das gute Klima im Inneren eine Champignonzucht. Diese bestand nur für kurze Zeit. Danach interessierte sich lange Zeit niemand für den alten Tunnel, ehe ein Waffenhändler in den 70er Jahren für einige Jahre in den Tunnel einzog. Er baute ihn teilweise um, und nutzte die Tunnelröhre als Schießstand. Von Ihm stammen auch die verfallenden Einbauten und Kugelfänge. Auch der größte Teil der Munitionsreste, welche im Reichsbahntunnel zu finden sind, stammen von dem Waffenhändler. Danach wurde es wieder still um den alten Tunnel im Teutoburger Wald. Vor etwa zehn Jahren plante die Bahn den Tunnel aus Sicherheitsgründen mit Haufwerk zu verfüllen. Nachdem die nördlichen 60-70 Meter bereits angeschüttet waren konnte dieses Unterfangen noch rechtzeitig abgewand werden. Der Eisenbahntunnel steht seitdem unter Denkmalschutz.

Unter betrachtung der Sicherheitsaspekte und mangels Geldmitteln ist an einem Umbau des Geschichtträchtigen Ortes zur Gedenkstätte leider (noch?) nicht zu denken. In dem Tunnel überwintern derzeit mehrere Fledermausarten. Im verfüllten Bereich wurden von uns auch schon einige Exemplare des großen Abendseglers entdeckt. Diese, größte bei uns heimische, und unter Artenschutz stehende Fledermausart, darf in keinem Fall gestört werden. Deshalb sollte der Tunnel insbesondere während der Fledermausschutzzeit nicht begangen werden, sofern er denn mal wieder offen steht, weil irgendwelche Idioten ihm mal wieder aufgebrochen haben. Bei unseren Befahrungen mußten wir feststellen, das immer mehr unerfahrende Leutchen sich in der Anlage austoben. Wir fanden Feuerstellen und einige der wegen Wasserzufluss vermauerten Ausweichbuchten wurden aufgebrochen. Als wenn da was Tolles hinter zu finden wäre, zumal die Vermauerung aus 3dF-Kalksandstein bestand und es dieses Normmaß erst seit den 70er Jahren gibt. Dazu kommt noch der Müll in Form von Batterien, Bierdosen und ähnlichem Mist. Nehmt euren Scheiss doch einfach wieder mit zum nächsten Wanderparkplatz. (Dort gibt es einen Mülleimer) Desweitern scheint die U-Verlagerung "Rebhuhn" langsam zu einem beliebten Treffpunkt für Geocacher zu werden. Mittlerweile ist im Tunnel mehr Betrieb als in der Lengericher Innenstadt. Aus diesen Gründen gibt es auch in diesem Bericht keine Wegbeschreibung zur Anlage "Rebhuhn" von uns! Basta, Ende und aus...

 Ein Blick zurück in die Vergangenheit...

Wer diese Zeilen auch noch liest, wird erfahren, daß der Text von Eismann geschrieben wurde, daß der weltbeste Untertage-Fotograf Bergmann für die tollen Fotos verantwortlich ist, daß es ohne Lumenmann`s Geleucht nicht geht und daß alle eben genannten diesen Bericht überarbeitet und zusammengeschustert haben. © untertage-übertage 2003 - 2008

 Das Licht am Ende des Tunnels...